Einige Gedanken zu Robert Jordan's "Das Rad der Zeit"

Ein Element in Robert Jordans Rad der Zeit ist die Abfolge von Zeitaltern, die vom Rad der Zeit gesponnen und zu einem Muster gewoben werden. Das Zeitalter, dass den Hintergrund zum Romanzyklus bildet folgte auf das Zeitalter der Legenden, ein utopische Zeitalter mit sehr hohem Technik- und Magieniveau in dem, bis kurz vor seinem Ende, Gewalt unbekannt war.
Das gegenwärtige Zeitalter dauert nun schon ca. 3000 Jahre und neigt sich mit der Geburt des Wiedergeborenen Drachen Rand Al'Thor seinem Ende entgegen.
Innerhalb des Romanzykluses gibt es wiederholt Hinweise darauf, dass die Welt des Rades der Zeit in einer Epoche nach der unserigen angesiedelt ist. Robert Jordan hat diese Hinweise auf unsere Gegenwart (Anspielungen auf John Glenn, Atomraketen u.a.) auch bestätigt.

Dies erlaubt einige interessante Spekulationen, die sich mit folgenden Fragen beschäftigen:
  1. Wie und warum kam es dazu, dass Menschen die Eine Macht benutzen können?
  2. Wo kommen die Ogier her?
  3. Wie lange dauerte das Zeitalter der Legenden?
  4. Wie sah es vor dem Zeitalter der Legenden aus?
  5. War unser Zeitalter das vor dem Zeitalter der Legenden?
    und
  6. Wie lange dauert unser Zeitalter noch?
Weiter ist finde ich es sehr interessant, dass Ba'alzamon einige nicht unerhebliche Ähnlichkeiten mit den Großen Alten und Äußeren Göttern des Cthulhu Mythos hat:
  1. Ba'alzamon ist mächtig, aber von einer noch mächtigeren Entität (dem Schöpfer) eingekerkert (vgl. Große Alte/Ältere Götter).
  2. Er hat die Fähigkeit, das Gewebe des Rades der Zeit, die Realität, zu verändern, bleibt aber selbt davon unangetastet, die simpliziert eine höhere hyper- oder Metarealität, die anderen Gesetzen unterliegt, ähnlich wie die Großen Alten und Äußeren Götter nicht an die Gesetze des vierdimensionalen Kosmos gebunden sind.
  3. Ba'alzamon steht für Tod, Chaos und Vernichtung, er ist die Personifikation des Anti-Lebens und korrumpiert und mutiert das Leben um den Ort seines Kerkers, ähnlich wie eine ganze Reihe Mythosgottheiten.
Tatsächlich gehe ich allerdings nicht davon aus, dass Das Rad der Zeit in einem Zeitalter spielt, nachdem die Menschheit eine Auseinandersetzung mit Wesenheiten des Cthulhu-Mythos hatte und scheinbar siegreich aus dieser Auseinandersetzung hervorging, ich schlage ein anderes Szenario vor:

Zu einem nicht bestimmbaren Punkt in der Zukunft entdeckt die Menschheit eine Energiequelle außerhalb unseres Raumzeitkontinuums: Saidin und Saidar.
Beim Versuch, diese Quelle für die Menschheit nutzbar zu machen (mögl. genetische Manipulation) entstehen die Vorläufer der Aes Sedai und quasi als Gegenstück dazu als neue Spezies und Gegengewicht die Ogier, die Bereiche schaffen können, in denen die Eine Macht nicht fassbar ist und in die sie nicht hineinreicht.
In diesem Zusammenhang gelingt es der Menschheit auch, sich von all ihren negativen Emotionen, Lüsten usw. zu trennen und sie in Form einer Entität, Ba'alzamon, an einem Ort, der ebenfalls außerhalb unseres Raumzeitkontinuums liegt, zu bannen.
Die menschliche Gesellschaft, lebt fortan im Einklang mit sich und der Welt und errichtet eine utopische Zivilisation.

Dieser Einklang und die Tatsache, dass man nun eine Energiequelle benutzen kann, die schier unerschöpflich ist und die es erlaubt, die Realität in begrenztem Maße zu verändern hat außerdem ein Ende expansionistischer Ausbreitung in den Weltraum zur Folge, da man keine neuen Ressourcen von anderen Planeten mehr benötigt. Zusätzlich könnte es möglich sein, dass man die Eine Macht im Weltraum nicht benutzen kann.
Abhängig davon, wie sehr der technische Fortschritt zum Zeitpunk der Entdeckung Saidins/Saidars gedien ist, ist es weiter möglich, dass es bereits autarke Kolonien auf anderen Planeten/Monden oder in Habitaten gibt.
Innerhalb dieses Szenarios spekuliere ich, dass es diese bereits gibt, als die Manipulationen zur Nutzbarmachung Saidins/Saidars beginnen.
Mit dem Erscheinen der Aes Sedai und der Ogier könnte ein ziemlicher Aufschrei durch manche diese Kolonien gehen und diese sich seperatistisch verschanzen und jeden Kontakt mit der Erde abbrechen. Die später friedfertigen Bewohner der Erde ihrerseits haben wahrscheinlich wenig Interesse an Konflikten mit Kolonisten auf anderen Planeten und lassen diese gewähren, solange diese ihrerseits nicht mit den Entwicklungen auf der Erde interferieren.
Während des Zeitalters der Legenden, es beginnt in diesem Szenario mit der Abspaltung der Essenz Ba'alzamons von der Menscheit (vgl. Die Bestien aus dem Id im Sci-Fi-Klassiker Alarm im Weltall), und bereits kurz davor entwickeln sich also mindestens zwei getrennte Linien der Menschheit: Diejenigen, die dem utopischen Pfad auf der Erde folgen und diejenigen, die Misstrauen hegen und in ihren Kolonien außerhalb der Erde bleiben.
Dieses Misstrauen kann durch Rassismus und Xenophobie gegenüber Aes Sedai und Ogiern natürlich noch verstärkt werden.
Mit dem Ende des Zeitalters der Legenden in einem planetenveränderndem Kataklysmus würden sich die Seperatisten in ihrem Misstrauen bestätigt sehen und, falls sie dies nicht schon vorher getan haben, die Erde aufgeben und/oder das Sonnensystem mehr oder weniger endgültig verlassen. Möglicher Weise haben verschiedene Gruppen auch schon vorher Expeditionen zum Rand des Sonnensystems und darüber hinaus geschickt.

Wie die Entwicklung der Kolonisten/Seperatisten in den ca. 3000 Jahren bis zur Zeit Rand Al'Thors weitergeht sei hier erst einmal offen gelassen.
Im folgenden möchte ich über ein mögliches Zusammentreffen zwischen zurückkehrenden Seperatisten/Kolonisten und Menschen des 3. Zeitalters spekulieren.



Silberne Schiffe, schwarzer Ozean
Prolog: Ankunft
Kapitel I: Riten
Kapitel II: Olympus Mons